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Scene 002                                     
Es war Abends, die Zeit, an der die Sonne gänzlich hinter dem Horizont verschwand. Der See spiegelte nur noch schwach das rötliche Licht wider, während sie mit nur langsamen und vorallem leisen Schritten auf ihn zu ging.

Er stand direkt an einem der Bäume gelehnt.
An genau diesem Baum, der neben dem Stein stand, an dem sie sonst immer saß. Seine Arme waren fest verschränkt und er schien keine Anstalten machen zu wollen, sich umzudrehen.

»Tzeh.. Du hast tatsächlich gewartet«, entgegnete sie als Erste mit gesenkter Stimme, als sie glaubte, er hätte sie nicht kommen gehört.

»Was nicht heißt, dass ich mir sicher war, dass du kommst.«

»Ich war mir bis vor ein paar Minuten selber nicht sicher, ob ich kommen sollte..«

Sie senkte ihren Blick, er hingegen verschloss seine Augen gänzlich. »Warum bist du dann überhaupt gekommen?«

»Als ob du das nicht selber wüsstest..« Sie setzte ein sachtes, gequältes Lächeln auf, als sie den Blick in die Richtung des Sees wandte.

»Und jetzt bist du dir sicher..?«

»Mein Gewissen ist dagegen..«, sie hielt inne. Es war schwer in dieser inzwischen aufgekommenen Dunkelheit überhaupt irgendetwas zu erkennen. Sie suchte seinen Blick, jedoch vergebens. »Ich kenne dieses Gefühl nicht mal, mich um andere zu sorgen.«

Er schüttelte kaum merklich den Kopf. »Du sorgst dich um mich?«

Sie erwiderte nichts.
Sie stand einfach nur stumm da, sah in seine Richtung und presste ihre Lippen fest aufeinander.

»Du bist dir also nicht sicher«, kam es nach einigen Sekunden vollkommener Stille letztenendes von ihm, was sie wiederum zum Stutzen brachte. Nach wenige Momenten, in denen sie sich gesammelt hatte, tat sie schließlich noch weitere Schritte auf ihn zu. »Ich habe Angst um dich, du Idiot..«

Sein Kopf wirbelte herum. Sie war inzwischen so nah, dass er ihr Gesicht erkennen konnte. Das einzige, was er hingegen vorerst von sich gab, war ein leises Schnauben..
»Vielleicht bin ich ein Idiot. Ich war heute den ganzen Tag hier draußen, obwohl der Grund dafür fast aussichtslos scheint..«

»Den ganzen Tag..«, wiederholte sie in murmelndem Ton. »Du verstehst mich nicht, oder?«

Erneute Stille. Es vergingen abermals mehrere Augenblicke, in denen beide sich einfach nur stumm und regungslos ansahen.

»Tust du also nicht..«

»Vielleicht will ich dich nicht verstehen und den Grund sehen, warum das hier nicht sein soll..«, gab er fast sofort in immens gesenktem Ton von sich, ehe er den Blick von ihr abwandt.

Sie hingegen wirkte allmählich nicht mehr so ruhig, wie sie es anfangs noch schien. »Tu mir einen Gefallen und sei nicht so blind. Ich steh dir im Weg. Wenn du es nicht schaffst, wird er dich töten.. Denkst du, dass ich das will?«

»Warum bist du dann noch hier?« Seine Stimme hatte einen abweisenden, gar kühlen Klang angenommen.

Sie starrte ihn an. »Warum ich noch hier bin? Du fragst mich tatsächlich, warum ich noch hier bin..?!«

»Frage ich«, entgegnete er in einem ruhigeren, doch noch immer nicht annähernd sanften Ton. Seine Augen verengten sich leicht, während er noch immer zu dem düster gewordenen See sah.

»Diese Frage ist überflüssig, würdest du mich tatsächlich kennen.«

Er erwiderte nichts auf ihre Aussage. Einzig und allein galt seine Aufmerksamkeit erneut für einige Augenblicke dem See. »Und deine Angst ist größer..?«

»Ich weiß es nicht.. vielleicht..?« Sie hielt inne, suchte erneut seinen Blick. »Aber ist ja egal, du würdest es eh nicht verstehen.«

Er gab ein gereiztes Schnauben von sich. »Bist du gekommen, um mir das zu sagen?«

»Eigentlich hatte ich anderes vor..«

»Anderes..?« Er erwiderte ihren Blick schließlich nur, indem er leicht zu ihr schielte.

»So langsam habe ich es mir dann doch anders überlegt..« Jetzt war sie es, die ihren Blick abwandte und zum kühlen Nass sah. Die Sonne war inzwischen vollkommen untergegangen und es wurde von Minute zu Minute schwerer, irgendetwas erkennen zu können.

Die nächsten Sekunden passierten fast in Zeitlupe - Er lehnte sich weiter an den Baum, glitt daran hinunter, zog seine Beine an und stützte seine Stirn auf seine auf die Knie gelegten Arme. Sie hingegen stockte und starrte ihn erneut an. »Dann verschwinde..«

»Nein-« Einige Schritte auf ihn zugehend stoppte sie auch schon wieder.

Seine finsteren, glasigen Augen richteten sich abrupt auf sie. »Ich sagte, dass du verschwinden sollst!«

Sie zuckte bei dem Anblick und Ton seiner Stimme zusammen. »Ich werde nicht gehen..«

»Wann dann..?!« Er krallte seine Hand in sein Haar, verschloss die Augen und biss sich für einen kurzen Moment auf die Unterlippe. »Wenn du gehen willst, dann jetzt.«

»Lügner«, gab sie zurück und sah ihn aus halbgeschlossenen Augen heraus an. »Du willst überhaupt nicht, dass ich gehe..«

Er öffnete seine Augen nur leicht, starrte auf den Boden, versuchte sich zusammen zu reißen. »Aber es wäre besser, würde ich das wollen, nicht wahr..?«

Eine einzelne Tränen bahnte sich ihren Weg seine Wange hinab. Eine einzige Träne, die ihr Denkvermögen auszuschalten schien.
4.2.08 18:47


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